DIE LUST — Tierkreiszeichen Löwe, hebräischer Buchstabe Teth. Die Elf, die Kraft, die nicht bändigt, sondern sich vereinigt. (In klassischen Decks: Die Stärke.)
Kartensymbolik: Eine nackte, ekstatische Frauengestalt — Babalon — reitet auf einem siebenköpfigen Löwen-Drachen, in der hocherhobenen Hand den heiligen Gral, in dem die Liebe und der Tod, das Blut aller Heiligen, dampft. Sie wird nicht vom Tier getragen — sie tanzt mit ihm. Im Hintergrund die zehn Sephiroth, von ihrem Strahl umflammt. Die Karte ist eine der kühnsten der ganzen Reihe und kennzeichnet das neue Aeon: nicht Bezähmung der Triebkraft, sondern ihre vollkommene Annahme.
Wesen der Karte: Lust ist hier nicht im engen erotischen Sinn gemeint, sondern als Lebensbejahung, als Glut, als die heilige Hingabe an die eigene Leidenschaft. Löwe ist das Zeichen des königlichen Selbst, das aus seiner Mitte strahlt. Im Unterschied zur älteren „Stärke“, in der die Frau dem Löwen den Rachen schließt, reitet die Lust den Löwen — sie verleugnet die Wildheit nicht, sondern macht sie zu ihrem Reittier.
Aufrecht: Glut, Mut, leidenschaftliche Lebensbejahung. Die eigene Kraft wird angenommen, statt sie zu unterdrücken. Schöpferische Lust, sinnliche Erfüllung, eine Liebe, die sich nichts versagt und sich doch nicht verliert. Selbstbewusstsein, das nicht auf Bestätigung von außen angewiesen ist. Eine Aufgabe wird mit Hingabe ergriffen — nicht aus Pflicht, sondern aus Lust am Tun. Heilung durch Aussöhnung mit dem eigenen Trieb. Auch: der Mut, sich öffentlich zu zeigen, wie man ist.
Umgekehrt: Die Glut wird zur Gier. Maßloser Genuss, Sucht, Überschreitung jeder Grenze, Verachtung jeder Mäßigung. Triebgesteuertheit ohne Bewusstsein. Auf der anderen Seite: Verklemmung, Angst vor dem eigenen Begehren, Verleugnung der Sinnlichkeit, Moralismus, der die Lebenskraft erstickt. Eitelkeit des Löwen ohne seine Substanz: lautes Auftreten, das nichts trägt. Eifersucht, Besitzanspruch in der Liebe.