Thoth Tarot Crowley · Harris
Große Arkana

Die Sonne (XIX)

XIX Солнце

DIE SONNE — Sonne, hebräischer Buchstabe Resch (Kopf). Die Neunzehn, das offene Licht.

Kartensymbolik: Im Zentrum die strahlende Sonne, in deren Mitte die Rose. Unter ihr zwei tanzende Kinder, die einander an den Händen halten, befreit, nackt, frei in der Welt. Der Boden der Karte ist ein grüner Hügel, hinter ihm die Mauer der alten Beengungen, die hinter den Tanzenden zurückbleibt. Nichts ist verborgen, alles ist Licht, alles ist sichtbar. Es ist die hellste, einfachste, vielleicht freundlichste Karte des ganzen Decks.

Wesen der Karte: Nach dem Mond — der Nacht der Auflösungen — kommt die Sonne als das wiedergewonnene Licht. Sie ist nicht Anfang wie der Narr, sondern Vollendung der Klarheit. Die zwei Kinder sind das neue, ganze Selbst, das aus der nächtlichen Reise unverwundet hervorgegangen ist und sich am bloßen Sein freuen kann. Resch ist der Kopf — die Sammlung im Bewusstsein. Sonne im hohen Sinn ist nicht Selbstdarstellung, sondern Selbstvergessenheit aus Fülle.

Aufrecht: Klarheit, Lebensfreude, Erfolg, Gesundheit. Eine Phase, in der das Leben gelingt, ohne dass man sich anstrengen muss — die Dinge fügen sich wie von selbst. Ein offenes Verhältnis zu sich und zu anderen, Spielfreude, kindliche Freude am Da-Sein. Heilung nach Krankheit, Aufhellung nach dunklen Zeiten. Eine glückliche Beziehung, eine glückliche Familie, ein Werk, das gelingt. Anerkennung, die freut, ohne den Kopf zu verdrehen. Auch: das eigene Selbst wird klar gesehen, der eigene Weg ist hell.

Umgekehrt: Selbstherrlichkeit, Eitelkeit, die Sonne wird zum Selbstbild, das beleuchtet werden muss. Oberflächlicher Optimismus, der die Schatten leugnet. Auf der anderen Seite: Verdüsterung, das Licht wird verstellt — Depression, Lebensmüdigkeit, die Unfähigkeit, sich auch im Hellen zu freuen. Erfolg, der nicht satt macht, weil er nicht aus dem eigenen Wesen kommt. In Beziehungen: Aufgesetztheit, glückliche Fassade über brüchigem Grund.