Thoth Tarot Crowley · Harris
Große Arkana

Die Hohepriesterin (II)

II Жрица

DIE HOHEPRIESTERIN — Mond, hebräischer Buchstabe Gimel. Die Zwei, die erste Spaltung, der Spiegel.

Kartensymbolik: Eine verschleierte weibliche Gestalt sitzt auf hohem Thron; vor ihr fließt ein Netz aus Lichtstrahlen, das die ganze Karte durchzieht. In ihrem Schoß liegt der Bogen — sie ist auch Artemis, die Jägerin des Verborgenen. Zu ihren Füßen Früchte, Kristalle, ein Kamel als Symbol des Wegs durch die Wüste (Gimel = Kamel). Sie ist die Brücke zwischen dem Höchsten und dem Niedersten am Lebensbaum, zwischen Kether und Tiphareth.

Wesen der Karte: Die Hohepriesterin ist das reine, unbedingte Empfangen. Sie spricht nicht; sie weiß. Ihr Wissen ist nicht erworben, sondern erinnert — Anamnesis. Der Mond regiert die nächtliche Seite der Seele: Träume, Zyklen, Intuition, das Unbewusste, das Wasser unter dem Wasser. In ihr ruht das Geheimnis, das durch keine Anstrengung des Verstandes geöffnet wird, sondern sich nur dem zeigt, der schweigen kann.

Aufrecht: Innere Stimme, Intuition, Hellsicht. Eine Phase, in der das Wissen nicht von außen kommt, sondern aus der eigenen Tiefe steigt. Geduld, Stille, Rückzug in die Kontemplation. Träume und innere Bilder werden bedeutsam. Heimliche Sympathie, eine Beziehung, die ohne Worte verstanden wird. Eine Frau im Leben, die durch Schweigen mehr sagt als andere durch Reden. Auch: ein Geheimnis, das geschützt wird; eine Wahrheit, die noch nicht ausgesprochen werden darf.

Umgekehrt: Die Verbindung zur Intuition reißt ab. Oberflächlichkeit, Geschwätz, Mangel an Innerlichkeit. Verdrängung — etwas Wichtiges aus der Tiefe wird nicht zugelassen und wirkt darum chaotisch. Stimmungslabilität, Launenhaftigkeit, Mondsüchtigkeit. Selbsttäuschung; man verwechselt eigene Projektionen mit Eingebung. Verrat eines Geheimnisses, indiskrete Frau, Klatsch. Im Kontext einer Beziehung: emotionale Kühle, das Unausgesprochene wird zur Mauer.