Thoth Tarot Crowley · Harris
Kelche

Ass der Kelche

Туз Кубков

ASS DER KELCHE — Die Wurzel der Kräfte des Wassers. Reines Gefühl im Augenblick seines ersten Strömens, noch vor jeder Form.

Kartensymbolik: Aus einer geöffneten Lotosblüte fließen zwei sich kreuzende Wasserströme in einen Kelch, der wiederum überfließt. Über dem Kelch eine geometrische Lichtfigur, alles in Pastellfarben, weich, leicht, durchscheinend. Die Karte hat etwas vom heiligen Gral — sie ist nicht ein Trinkgefäß, sondern das Bild des Empfangens selbst, der Kelch des Höheren, in den das Leben seine Gefühlskraft ergießt.

Wesen der Karte: Das Ass der Kelche ist die ungeteilte gefühlhafte Kraft, die Liebe vor der Liebe zu jemandem, das offene Herz, das nicht weiß, wem es sich öffnet, und gerade darum offen ist. Es ist der Quellpunkt aller späteren Beziehungen, Sympathien, mystischen Erfahrungen. Wo dieses Ass auftritt, fließt etwas, das vorher gestockt war; eine Schicht des Inneren, die zugehalten worden war, gibt sich frei.

Aufrecht: Eine neue gefühlhafte Bewegung. Verliebtheit, Sympathie, Mitgefühl, das ohne Berechnung kommt. Eine Beziehung beginnt, eine Freundschaft öffnet sich, eine Versöhnung wird möglich. Spirituelle Empfänglichkeit, Hingabe, der Augenblick, in dem das Herz „ja“ sagt zu etwas Größerem als sich selbst. Schöpferische Inspiration im Bereich der Künste, der Heilung, des Beziehungslebens. Schwangerschaft, Geburt, Beginn von etwas Lebendigem, das genährt werden will. Tränen der Rührung, die nicht aus Schwäche kommen, sondern aus Berührtheit. Die Erfahrung, dass das Leben einen meint und einlädt, sich darauf einzulassen.

Umgekehrt: Die Quelle versiegt. Gefühlsmäßige Verschlossenheit, das Herz bleibt zu, wo es sich öffnen wollte. Auf der anderen Seite: ein Ausströmen ohne Maß — Sentimentalität, Tränen, die das eigene Wesen ertränken; gefühlsmäßige Überschwemmung, die andere überfordert. Eine Beziehung wird in Aussicht gestellt, kommt aber nicht zustande, weil eine Seite die Öffnung im letzten Moment widerruft. Schöpferische Trockenheit, das Gefühl, „in mir ist nichts mehr“. Spirituelle Leere, Verlust der Verbindung mit dem inneren Strom. Auch: ein Herz, das aus alter Verletzung zugewachsen ist und einen neuen Anfang nicht zulassen kann.