RITTER DER KELCHE — Feuriger Anteil des Wassers. Das Feuer des Wassers.
Wesen der Karte: Der Ritter (in Crowleys System die höchste Hofkarte des Elements, im klassischen Tarot der König) ist der feurige Aspekt seines Elements — die handelnde, vorwärtsbewegende Kraft im Wasser. Er ist der leidenschaftliche Liebende, der Künstler, der Mystiker, der seine Vision in die Welt trägt. Im Unterschied zur stillen Königin ist er aktiv; er hat das Wasser in eine Bewegung gebracht, die etwas hervorbringt.
Kartensymbolik: Ein gepanzerter Reiter auf einem weißen Pferd, das durch flutendes Wasser springt. In der Hand der Kelch, aus dem ein Krebs oder eine Schlange aufsteigt. Hinter ihm wallendes Wasser, der Hintergrund hellblau und bewegt. Er ist nicht ein nüchterner Geschäftsmann, sondern ein Mensch, dessen Tat aus tiefem Gefühl kommt; sein Galopp hat etwas vom Strömen eines Flusses, der ein Tal ausfüllt.
Aufrecht: Ein leidenschaftlicher, gefühltiefer, schöpferischer Mensch tritt auf — als Person oder als innere Tendenz. Mut, einer großen Liebe oder Berufung zu folgen, auch gegen die Widerstände der Vernunft. Im Beruflichen: jemand, der in seinem Fach mit voller Hingabe wirkt — Künstler, Heiler, Seelsorger, Liebender. Werbung um eine Liebe, ein Antrag, eine Geste der Hingabe, die echt ist. Vision, die nicht im Kopf bleibt, sondern in eine Form gegossen wird. Charisma, das aus dem Fühlen, nicht aus dem Denken kommt; Begeisterung, die andere mitnimmt, ohne sie zu manipulieren. Eine Phase, in der man sich seinem eigenen Herzen folgend ins Risiko begibt — und gewinnt.
Umgekehrt: Leidenschaft wird zur Schwärmerei oder kippt in das Kalkulierte. Eitler Werber, der seine Gefühle als Ware ausstellt; großartige Geste ohne dahinterstehende Substanz. Untreue, Verführungskunst um des Triumphs willen. Auf der anderen Seite: ein Mensch, der seine schöpferische Tiefe nicht zu fassen vermag — viele Anfänge, kein Werk; Liebesabenteuer, die ihn selbst leer lassen. Eskapismus, Sucht, Realitätsflucht in Welten, die er sich selbst dichtet. Streit aus verletztem Stolz, Eifersucht, die das eigene Wesen verdunkelt. Eine Liebe, die im Sturm beginnt und im Sturm endet, ohne dass etwas Bleibendes daraus wird.